Antrittsrede von Dr. Axel Strasser Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder)

2. November 2025, Rathaus Frankfurt (Oder)

Sehr geehrter Herr Wilke,

sehr geehrter Herr Junghanns,

sehr geehrte Frau Schrade,

Sehr geehrte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung,

Szanowna Pani Słodownik, szanowni goscie, 

liebe Familie, liebe Freunde,

liebe Frankfurterinnen und Frankfurter,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, Sie alle heute hier im frisch sanierten Rathaus begrüßen zu dürfen. Ich freue mich über jede und jeden Einzelnen von Ihnen, hier im Atrium, auf der Galerie, in den Konferenzräumen oder im Livestream. Das bedeutet mir sehr viel.

Dieses Rathaus ist mehr als nur ein Verwaltungsgebäude. Es ist das Zentrum der kommunalen Selbstverwaltung, ein Ort der Begegnung, der Transparenz und der Bürgernähe. Dass wir genau hier zusammenkommen, ist ein starkes Zeichen dafür, wie wir unsere Stadt verstehen und gestalten wollen: offen, zugänglich und gemeinsam.

Bevor ich über die Aufgaben spreche, die vor uns liegen, möchte ich zunächst Danke sagen.

Mein Dank gilt René Wilke, Claus Junghanns und Désirée Schrade, der gesamten Verwaltungsspitze, den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Frankfurt (Oder). Sie alle haben in den vergangenen Jahren Verantwortung übernommen und sich in schwierigen Zeiten für das Wohl und den Nutzen unserer Stadt eingesetzt. Dafür gebührt Ihnen Respekt und Anerkennung.

Ich danke meinem Wahlkampfteam, das mich in den vergangenen Monaten getragen hat – mit Mut, Ausdauer und Überzeugung. Und ich danke Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt, für Ihr starkes Votum. Es ist ein Zeichen des Aufbruchs und zugleich ein Auftrag. Danke dafür.

Werte Gäste,

Frankfurt (Oder) ist eine Stadt mit großem Potenzial. Eine Stadt, die schwierige Zeiten durchlebt hat, aber immer wieder aufgestanden ist. Ich lebe mitten im Herzen dieser Stadt und sehe, was sich in den letzten Jahren bewegt hat: der Wiederaufbau des Kieslinghauses, die Bebauung der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße, der Marienkirchblick, die Ansiedlung von Alcaro, unsere neuen Skoda-Straßenbahnen oder die Radiologie am Klinikum, um nur einige Beispiele zu nennen.

Doch eine Stadt besteht nicht aus Gebäuden allein. Eine Stadt lebt durch die Menschen, die sie gestalten. Ich habe im Wahlkampf viele von Ihnen getroffen – engagierte Bürgerinnen und Bürger, Unternehmerinnen und Unternehmer, Vereinsmitglieder, Ehrenamtliche. Ich habe eine Aufbruchsstimmung erlebt, eine Gemeinschaft, wie wir sie zuletzt bei der Brückenbauerkampagne für das Zukunftszentrum gespürt haben.

Und wenn wir über die Oder schauen, sehen wir, was wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern in Słubice bewegen können. Die illuminierte Stadtbrücke, der neue Aussichtsturm – beides Beispiele dafür, was entsteht, wenn man in einer europäischen Doppelstadt gemeinsam denkt und handelt. Ich habe das im Wahlkampf den 360-Grad-Blick genannt. Dieses Denken über Grenzen hinweg ist unsere weitere Stärke.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

natürlich ist nicht alles einfach. Ich sehe die Unzufriedenheit über das, was zu langsam geht, über das, was fehlt oder hakt. Aber ich möchte den Spirit aus dem Wahlkampf mitnehmen – das Vertrauen darauf, dass wir etwas bewegen können, wenn wir zusammenstehen. Wenn wir nicht vor den oftmals begrenzten Mitteln und Möglichkeiten kapitulieren, sondern uns auf unsere gemeinsamen Stärken besinnen. Lassen Sie uns stolz sein auf unsere Stadt und sie gemeinsam gestalten.

Wir wissen, dass die kommenden Jahre anspruchsvoll werden. Internationale Konflikte wirken bis in unseren Alltag hinein. Die Grenzkontrollen zeigen das jeden Tag. Energiepreise, Inflation, Unsicherheit – das alles beschäftigt die Menschen auch hier. Wir sehen nationale Abschottungstendenzen, Aufrüstung, Migration und viele Fragen, die nach Orientierung verlangen.

Gleichzeitig verändert die digitale Transformation unsere Arbeitswelt, unsere Verwaltung und unseren Alltag. Themen wie künstliche Intelligenz, Energieversorgung, demografischer Wandel oder Wärmewende fordern uns. Aber sie sind auch Chancen. Ich bin überzeugt, dass wir sie durch Kooperation, gegenseitigen Respekt und ein klares Verständnis unserer regionalen Stärke bewältigen können.

Geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

im Wahlkampf und noch einmal verstärkt mit dem Amtsantritt habe ich viel darüber nachgedacht, was es heißt, Oberbürgermeister für alle zu sein.

Das bedeutet nicht, dass alle meine Entscheidungen immer richtig finden werden. Es bedeutet auch nicht, dass ich allen Erwartungen gerecht werden kann. Es heißt vielmehr, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Für die gesamte Stadt, mit all ihren unterschiedlichen Perspektiven, Meinungen und Interessen.

Oberbürgermeister für alle zu sein heißt, zuzuhören. Es heißt, die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, abzuwägen und dann eine klare Entscheidung im Sinne des größtmöglichen Gemeinwohls zu treffen. Entscheidungen, die nachvollziehbar sind und offen erklärt werden. Denn die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch darauf zu wissen, warum etwas entschieden wurde.

Ich möchte eine Stadtpolitik gestalten, die verlässlich ist, die Orientierung bietet und die sich an Ergebnissen messen lässt. Verwaltung und Politik sollen nicht nebeneinander, sondern miteinander handeln. Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis von Aufgaben, Zielen und Zuständigkeiten. Nur so entsteht Vertrauen – nach innen wie nach außen.

Frankfurt (Oder) braucht wirtschaftliches Wachstum. Nur wenn wir neue Unternehmen anziehen, vorhandene Betriebe stärken und attraktive Rahmenbedingungen schaffen, werden wir die finanziellen Mittel haben, um das zu sichern, was unsere Stadt ausmacht: gute Kitas und Schulen, moderne Infrastruktur, lebendige Kultur, funktionierende Vereine und sozialen Zusammenhalt.

Wirtschaftliche Stärke ist die Grundlage für soziale Stabilität. Ohne neue Wertschöpfung, ohne zusätzliche Arbeitsplätze und ohne Investitionen können wir uns auch keine soziale Stadt leisten. Deshalb ist Wirtschaftsförderung keine Nebensache, sondern zentrale Zukunftsaufgabe.

Ich habe in meiner Zeit bei der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg die Möglichkeit gehabt, viele Frankfurter Unternehmen kennenzulernen und tiefe Einblicke in ihre Chancen und Herausforderungen zu gewinnen. Diese Erfahrung prägt mein Verständnis von wirtschaftlicher Entwicklung. Ich weiß, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Unternehmen, IHK, Handwerkskammer und Wirtschaftsförderung Brandenburg ist, wenn wir gemeinsam Frankfurt (Oder) und die Region wirtschaftlich stärken wollen.

Wir müssen Flächen für Gewerbe und Wohnen entwickeln, Verfahren beschleunigen und als Stadt verlässlich und kompetent auftreten. Ich möchte, dass Investoren, Gründerinnen und Gründer und bestehende Betriebe spüren, dass Frankfurt (Oder) offen ist für neue Ideen und Mut zum Unternehmertum.

Wirtschaftliche Dynamik und kulturelle Vielfalt gehören zusammen. Das kulturelle Leben unserer Doppelstadt, das ich sehr schätze, ist ein Teil dieser Stärke. Kultur stiftet Identität, sie bringt Menschen zusammen und gibt einer Stadt Gesicht und Seele. Aber sie braucht eine solide Basis. Nur eine wirtschaftlich erfolgreiche Stadt kann sich dauerhaft ein breites kulturelles Angebot leisten – und genau das ist unser Ziel.

Ein Beispiel für großartige Stadtkultur ist unsere Singakademie. Getragen von Ehrenamtlichen und geformt aus einer breiten Stadtgesellschaft steht sie sinnbildlich für das, was Frankfurt (Oder) ausmacht: Tradition, Zusammenhalt und Leidenschaft für Kultur. Ich freue mich sehr, dass die Singakademie unter der Leitung von Rudolf Tiersch diesen besonderen Moment musikalisch gestaltet. Es war mein ausdrücklicher Wunsch, das heute das Stück „In meiner Stadt“ vorgetragen wird und ich freue mich sehr das diesem Wunsch entsprochen werden konnte!

Ich wünsche mir in meiner Stadt, dass sich jede Generation und Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Hintergrund wohlfühlen. Unsere Stadt, in der Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme selbstverständlich sind. Eine Stadt, in der man sich begegnet, zuhört und voneinander lernt. Frankfurt (Oder) soll eine Stadt sein, in der Zukunft und Zusammenhalt zusammengehören.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich werde in den kommenden Jahren Entscheidungen treffen müssen, die nicht jedem gefallen. Das gehört zu diesem Amt. Wichtig ist, dass jede Entscheidung auf einer sauberen Grundlage steht, dass sie transparent vorbereitet wird und dass man sie erklären kann.

Frankfurt braucht eine Politik, die handlungsfähig bleibt. Dafür müssen wir Dinge vereinfachen, Prioritäten setzen und uns auf das Machbare konzentrieren. Wir müssen bereit sein, Gewohntes zu hinterfragen und Strukturen anzupassen, wenn sie uns bremsen. Stillstand ist keine Option.

Ich bin überzeugt: Unsere Stadt hat alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Wir haben engagierte Bürgerinnen und Bürger, leistungsfähige Unternehmen, eine Universität, die europäisch denkt, und eine Verwaltung, die sich modernisieren will. Wenn wir diese Stärken bündeln, entsteht Bewegung.

Dazu gehört, dass wir uns gegenseitig etwas zutrauen. Dass wir Verantwortung teilen – zwischen Stadt, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Frankfurt kann seine Zukunft nur dann gestalten, wenn möglichst viele bereit sind, sich einzubringen und mitzuwirken. Dafür stehe ich.

Ich selbst verstehe dieses Amt als Dienst an der Stadt. Nicht als Bühne, sondern als Aufgabe. Ich bin nicht die Lösung. Aber ich kann dafür sorgen, dass wir Lösungen finden – gemeinsam, sachlich, mit Respekt voreinander und mit einem klaren Ziel vor Augen.

Ich wünsche mir, dass wir in den kommenden Jahren weniger darüber reden, was nicht geht, und mehr darüber, wie es gehen kann. Dass wir alte Konflikte ruhen lassen, Energie bündeln und an einem Strang ziehen. Dass wir unsere Stadt neu denken, ohne ihre Wurzeln zu vergessen.

Wenn uns das noch besser gelingt, kann aus Frankfurt (Oder) eine Stadt werden, die zu Recht noch mehr Selbstvertrauen ausstrahlt. Eine Stadt, die ihre Chancen erkennt und nutzt. Eine Stadt, die gestaltet statt verwaltet.

Für mich ist dieses Amt die größte Ehre meines Lebens. Ich darf an vorderster Stelle demütig meiner Stadt dienen. Das werde ich mit ganzer Kraft, mit Herz und mit klarem Kompass tun.

Und ich hoffe, dass wir es gemeinsam tun.

Herzlichen Dank.

Es gilt das gesprochene Wort.