Nachfahren bekannten jüdischen Anwalts besuchen Oderstadt
Nach mehr als 70 Jahren kommen die Nachfahren des bekannten jüdischen Rechtsanwalts Leo Nehab nach Frankfurt (Oder), um auf die Spurensuche zur Geschichte ihrer Familie in der Stadt zu gehen. Am kommenden Dienstag, dem 21. Mai 2013, werden sie von Mitarbeitern der Stadt durch Frankfurt zu den Wohn- und Arbeitsorte ihres Ahnen geführt. Empfangen werden sie auf ihrer Tour auch von Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke.
Leo Nehab zog 1920 mit seiner Ehefrau Gertrud und den vier Kindern 1920 aus Posen nach Frankfurt an der Oder. Hier kaufte er sich das große Haus Grüner Weg 4 und trat in die Rechtsanwaltspraxis Falkenberg ein. Über seine Praxis hinaus engagierte er sich in der Stadt und der jüdischen Gemeinde. Er war Vorsitzender der Hardenberg-Loge, Mitglied des Repräsentantenkollegium und der Schuldeputation der Gemeinde. In seinem Haus im Grünen Weg und dann am Wilhelmsplatz verkehrten nicht nur Gemeindemitglieder sondern auch bekannte Namen der städtischen Verwaltung und der Lehrerschaft.
Im Jahre 1931 ließ sich die Familie vom bekannten Architekten Konrad Wachsmann ein Wochenendhaus am Müllroser See erbauen. Mit dem Beginn der NS-Zeit begann auch für die Familie Nehab ein dunkles Kapitel. Boykott und Verhaftung (das erste Mal 1934 als Vorsitzender der bald darauf aufgelösten Loge; zuletzt 1938 mit den anderen Gemeinmitgliedern während der sogenannten Kristallnacht) vertrieb die Familie aus Frankfurt (Oder). Durch die Emigration nach Palästina konnten sie ihr Leben retten. Die zuerst emigrierten Kinder, die hier in der Jugendbewegung der Werkleute aktiv waren, gehörten zu den Aktivisten, die in Palästina das Kibbuz Hasorea aufbauten.
Hinweise für Foto- und O-Ton-Termin: Während des Empfang der Familie beim Oberbürgermeister um 10:00 Uhr im Amtszimmer des Stadtoberhauptes besteht die Möglichkeit, Fotos zu machen und O-Töne aufzunehmen.