Lyssenkostraße
Straßenschlüssel:
Lyssenkostraße
Inkraft getreten: - , Außerkraft getreten: -
Ehemalige Straßennamen:
Erläuterung aktueller Straßenname:
Trofim Denissowitsch Lyssenko wurde am 29. September 1898 im Karlowka (seinerzeit Russisches Kaiserreich) geboren. Er verstarb am 20. November 1976 in Moskau. Lyssenko war ein sowjetischer Agrarwissenschaftler mit zeitweise hohem politischen Einfluss. Er begründete die Theorie des Lyssenkoismus, wonach Eigenschaften von Organismen nicht von ihren Genen, sondern durch Umweltbedingungen entstehen. Diese Theorie war komplett unsinnig und war durch gefälschte Forschungsergebnisse untersetzt. Weil Lyssenko von Stalin persönlich protagiert wurde, war im sowjetischen Machtbereich Widerspruch zu Lyssenkos Thesen lebensgefährlich. In der Praxis erwies sich die Anwendung von Lyssenkows Forschungsergebnissen als Katastrophe und war Ursache von Missernten und Hungersnöten. Zumindest zu Stalins Lebzeiten wurde jedoch als Grund der Misserfolge angebliche Sabotage angeführt. Der aus bäuerlichen Verhältnissen stammende besuchte nach der Gartenbauschule ab 1925 die Universität Kiew, von 1929 das Allunions-Institut für Genetik und Saatzucht in Odessa. 1934 bis 1939 leitete er dieses. Die Ergebnisse seiner Forschungen waren bereits 80 Jahre zuvor in den USA verworfen worden. 1940 wurde Lyssenko Leiter des Instituts für Genetik der sowjetischen Akademie der Wissenschaften. 1936 verlieh ihm Josef Stalin mit den Leninorden. 1948 referierte Lyssenko „Über die Situation der Biologie“ in deren Folge die Erkenntnisse der modernen Genetik vollkommen aus dem sowjetischen Wissenschaften verbannt wurden. Im Ergebnis wurde die Landwirtschaft der UdSSR und der mit ihr verbündeten Länder um Jahrzehnte zurückgeworfen. Nach Stalins Tod beschnitt dessen Nachfolger Chruschtschow Lyssenkos Einfluss, jedoch ohne sich völlig davon loszusagen. Erst nach dem Sturz Chrustschows wurden Lyssenkos Forschungen hinterfragt und wissenschaftliche Fehlinterpretationen und Fälschungen entlarvt.
Geschichtliche Entwicklung:
Bereits auf einem Stadtplan von 1925 findet man eine nach Heinrich Jungclaussen benannte Straße. Diese verlief südlich der Gärtnerei Jungclaussen in West- Ost-Richtung und mündete etwa in Höhe Alter Wasserturm in den Tschetzschnower Oberweg (Güldendorfer Straße). Ab 1953 trug sie den Namen Lyssenkostraße und wurde um 1978 durch das Wohngebiet Neuberesinchen überbaut.