Gemeinsames Gedenken an die Reichspogromnacht

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 ragt aus den Erinnerungen an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, die zwölf Jahre des „Tausendjährigen Reiches“ von 1933 bis 1945, heraus. In dieser Nacht fiel ein durch die nationalsozialistische Regierung aufgehetzter Mob landesweit über Menschen jüdischer Abstammung her, verwüstete ihre Wohnungen und Geschäfte, Synagogen und kulturellen Stätten. Diese Taten markierten den Übergang von Ausgrenzung und Drangsalierung zum gezielten Massenmord auf letztlich industrialisierte Weise.

Der 9. November 1938 darf niemals in Vergessenheit geraten. Dieses Datum steht als Warnung und Mahnung auch dafür, wohin Menschen durch Ängste, Hass, gezielte Falschinformation und Mangel an Herzensbildung getrieben werden können.

Traditionell wird dieser Tag auf Initiative der Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Désirée Schrade, gemeinsam organisiert von Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen, in Frankfurt (Oder) zum Anlass genommen, eine Gedenkveranstaltung durchzuführen, die all denjenigen offensteht, denen Erinnerung, Information und Prävention wichtig sind.

Am Sonntag, 9. November 2025 findet dieses Zusammenkommen von 18.00 bis etwa 19.00 Uhr am Synagogengedenkstein am oberen Brunnenplatz statt. Musikalisch umrahmt wird die Gedenkstunde vom Chor der Lebensfreude gemeinsam mit Vertreterinnen der jüdischen Gemeinde Frankfurt (Oder). Nach einleitenden Worten von Désirée Schrade spricht Gangolf Hübinger als Hauptredner.

Im Anschluss an die Veranstaltung am Synagogenstein findet im Kleist Forums eine Konzert-Lesung des Brandenburgischen Staatsorchesters (BSOF) statt. Diese beginnt um 19.30 Uhr im Foyer des Hauses. Die Konzert-Lesung gestalten Schülerinnen und Schüler des Frankfurter Karl-Liebknecht-Gymnasiums gemeinsam mit dem Catori-Quartett des BSOF. Begleitet von der Musik Erwin Schulhoffs und Hans Krásas werden Texte von Erich Mühsam, Mascha Kaléko und Kurt Tucholsky vorgetragen.

Diese Künstlerinnen und Künstler waren Opfer des NS-Regimes. Hans Krása, unter anderem durch seine Kinderoper „Brundibar“ berühmt, wurde in Auschwitz umgebracht. Erwin Schulhoff starb 1942 in einem Internierungslager in Bayern. Erich Mühsam wurde 1934 von der SS im Konzentrationslager Oranienburg ermordet. Wegen ihrer jüdischen Herkunft und ihrer Bücher verfolgt, musste Mascha Kaléko 1938 aus Deutschland fliehen. Und Kurt Tucholsky hatte sich mit seinen kritischen Veröffentlichungen die Nazis schon Ende der 1920er-Jahre zum Feind gemacht und Deutschland vor Hitlers Machtergreifung verlassen.