Leben in Schostka und Sumy findet unter der Erde statt

Vom 21. September bis zum 2. Oktober sind 16 Jugendlichen aus den ukrainischen Städten Schostka und Sumy im Rahmen des Projektes „Kriegstrauma-Bewältigung“ in Frankfurt (Oder) und Słubice zu Gast. Den im Kriegsgebiet lebenden Jugendlichen wurde damit die Möglichkeit geben, ihre traumatisierenden Erfahrungen im Rahmen von Gesprächs-, Kunst- und Sporttherapien zu verarbeiten.

Am 28. September waren sie zu einem gemeinsamen Empfang des Frankfurter Oberbürgermeisters Dr. Axel Strasser und der Słubicer Bürgermeisterin Marzena Słodownik eingeladen. Im Frankfurter Rathaus berichteten die ukrainischen Jugendlichen von ihrem von Krieg und permanenter Bedrohung gekennzeichneten Leben in ihrer Heimat und was ihnen der zweiwöchige Aufenthalt in Frankfurt (Oder) und Słubice bedeutet.

In Schostka, der ukrainischen Partnerstadt von Frankfurt (Oder) und Słubice, 60 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, sind weite Teile der Stadt zerstört. Fast alle Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt kennen Menschen, die im Krieg verletzt wurden oder umgekommen sind. Jeden Tag warnen mehrfach Sirenen vor Drohnenangriffen. Schule gibt es nur noch online. Sportaktivitäten sind nicht mehr möglich. Treffen mit Freunden in der Stadt können lebensgefährlich sein. Ein großer Teil des Lebens findet in unterirdischen Schutzräumen statt. Die Jugendlichen berichten:

Lisa: „Wir wissen, dass wir bald nach Hause zurückkehren. Dort warten auf uns wieder Schutzräume, Angst und sehr schwere Tage.“

Nikita: „Das Projekt ist für uns nicht nur eine Reise oder eine Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen. Es ist eine Chance, neue Kraft zu schöpfen, Unterstützung zu spüren und zu begreifen, dass wir nicht allein sind. Wir wollen die Kraft mit nach Hause nehmen, um etwas für unsere Freundinnen und Freunde, unsere Schule und unsere Stadt zu tun.“

Oberbürgermeister Dr. Axel Strasser drückte sein Mitgefühl für die Jugendlichen aus: „Es ist furchtbar, dass ihr all das miterleben müsst. Dieser Krieg beraubt euch der Unbeschwertheit und des Glücks, auf das ihr ein Recht habt. Dieser Krieg raubt euch die Jugend. Auch wenn wir in Frankfurt mehr als 1500 Kilometer entfernt sind von diesem schrecklichen Krieg, schauen wir nicht weg. Mit unserer seit 2022 bestehenden Städtepartnerschaft mit Schostka und Projekten wie der Kriegstrauma-Bewältigung zeigen wir, dass wir uns mit den sich gegen den russischen Angriff wehrenden Ukrainerinnen und Ukrainern solidarisieren.“

Der Abteilungsleiter für Europa im Brandenburgischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa Gregor Beyer nahm an Empfang und Austausch mit den Jugendlichen teil und brachte seine Unterstützung für das Projekt „Kriegstrauma-Bewältigung“ der Stadt Frankfurt (Oder) zum Ausdruck.

Das zweiwöchige Projekt wurde in diesem Jahr zum dritten Mal seit 2024 durch das Land Brandenburg gefördert. Es beinhaltet psychologische Unterstützung in Gruppen- und Einzelgesprächen, Kreativ-Workshops im Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst, sportliche Aktivitäten, Ausflüge nach Berlin und Zielona Góra und Begegnungen mit jungen Leuten vor Ort im „verbuendungshaus fforst“, im Słubicer Herbert-Liceum sowie mit dem Deutsch-Polnischen Kompetenzteam der Pewobe.