Mehr Mut und Innovation für unsere Doppelstadt
Vor wenigen Tagen reiste eine neunköpfige Delegation aus Frankfurt (Oder) und Słubice zu einem Studienaufenthalt in die portugiesische Stadt Cascais, die in diesem Jahr den Titel „Europäische Demokratie-Hauptstadt“ trägt. Im Mittelpunkt standen der europäische Erfahrungsaustausch zu Demokratiebildung, Bürgerbeteiligung und gesellschaftlicher Teilhabe sowie die Nominierung eines gemeinsamen Projekts der Doppelstadt für einen europäischen Innovationspreis. Die Kosten der Studienreise wurden vollständig aus Erasmus-Mitteln der Stadt Cottbus finanziert.
Anlass der Reise war die Nominierung des Projekts „Grenzerfahrungen – Monat der politischen Bildung“ für den Innovationspreis des „The Innovation in Politics Institute“ mit Sitz in Wien. Unter 350 Bewerbungen aus ganz Europa hatte es das deutsch-polnische Projekt in die Endauswahl der 80 besten Initiativen geschafft. Für eine der acht Auszeichnungen reichte es am Ende zwar nicht, dennoch erfuhr das Projekt große internationale Anerkennung.
„Natürlich hätten wir gerne gewonnen“, erklärt Sören Bollmann, Leiter des Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrums. „Wir waren das einzige Projekt, das zwei Länder eng miteinander verband. Unsere inhaltliche Vielfalt und die starke Projektpartnerschaft mit über 20 beteiligten Einrichtungen aus beiden Städten fanden große Anerkennung. Letztlich zählen die Erfahrungen, die wir mit nach Hause bringen, jedoch mehr als eine Trophäe.“
Neue Ideen für Bürgerbeteiligung und Demokratiebildung
Während des Studienaufenthalts lernten die Teilnehmenden zahlreiche innovative Projekte aus europäischen Kommunen kennen. Besonders beeindruckte die Stadt Cascais mit ihren vielfältigen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. Dort werden Einwohnerinnen und Einwohner unter anderem bei er Entwicklung öffentlicher Einrichtungen einbezogen.
Lea Marie Nienhoff, Projektkoordination Kultur der Stadt Frankfurt (Oder), ist besonders ein schwedisches Projekt in Erinnerung geblieben, das Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen Ansichten miteinander ins Gespräch bringt. „Es ist möglich, Berührungspunkte zwischen den Extremen zu schaffen. Das macht Mut!“
Junge Menschen wollen mitgestalten
Wie wichtig die Beteiligung junger Menschen ist, zeigte das ebenfalls nominierte Projekt
„Youth Voice“. Jugendliche werden dabei aktiv in politische Entscheidungsprozesse eingebunden und entwickeln gemeinsam mit Schulen, Fachleuten und politischen Verantwortlichen konkrete Verbesserungsvorschläge. Mehr als 2.270 Schülerinnen und Schüler sowie 150 Lehrkräfte haben bereits an dem Projekt teilgenommen. Zu den erreichten Verbesserungen gehören unter anderem die kostenlose Busbeförderung in der Region Cascais sowie die Wiedereröffnung eines Zentrums für das Wohlbefinden von Jugendlichen.
Marta Rusek, Projekt- und Veranstaltungsmanagerin im Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrum, betont: „Junge Menschen wollen nicht nur gehört werden, sie möchten mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Wenn man ihnen Vertrauen und echte Beteiligungsmöglichkeiten gibt, können sie konkrete gesellschaftliche Veränderungen anstoßen.“
Beteiligung muss alle Menschen erreichen
Ein weiterer Schwerpunkt des Studienaufenthalts lag auf der Frage, wie Beteiligungsangebote möglichst viele Menschen erreichen können.
Martin Hampel, Projektmitarbeiter der pewobe gGmbH, zeigte sich besonders vom wirkungsorientierten Ansatz sozialer Einrichtungen beeindruckt: „In Cascais wird kontinuierlich geprüft, wen die Beteiligungsangebote erreichen, wer bislang fehlt und welche Veränderungen tatsächlich entstehen. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Menschen teilnehmen, sondern ob sie ihre Perspektiven einbringen und mitgestalten können.“
Auch innovative Angebote der kommunalen Daseinsvorsorge standen im Mittelpunkt des Austauschs. So zeigte das ausgezeichnete Projekt „Navarra Mobile Citizen Office“ aus Spanien, wie mobile Bürgerbüros dazu beitragen können, Menschen auch in strukturschwachen Regionen besser zu erreichen.
Mateusz Weis-Banaszczyk, Referent für Bürgerbeteiligung der Stadt Frankfurt (Oder), zieht ein positives Fazit: „Die Begegnungen in Cascais haben uns gezeigt, dass viele Kommunen in Europa vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Der Erfahrungsaustausch liefert uns wichtige Erkenntnisse und Impulse, um Bürgerbeteiligung, soziale Inklusion und demokratische Teilhabe auch in Frankfurt (Oder) weiter zu stärken.“
Mehrsprachigkeit und persönliche Begegnungen stärken das Miteinander
Neben neuen Ideen konnte die Delegation auch eigene Erfahrungen aus der Doppelstadt vorstellen. Dazu gehörten unter anderem die Deutsch-Polnische Erwachsenenakademie sowie Digitalkurse für Seniorinnen und Senioren, die von Jugendlichen gestaltet werden.
Aneta Szcześniewicz, Netzwerkkoordinatorin für kulturelle, politische und Demokratiebildung im Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrum, unterstreicht: „Wir haben vor Ort inspirierende Projekte erlebt, konnten aber auch selbst starke Impulse setzen. Eine zentrale Erkenntnis aus Cascais, wo Menschen aus 143 Nationen leben, ist die Bedeutung von Mehrsprachigkeit und gegenseitigem Respekt. Um die Menschen in unserer Doppelstadt nachhaltig zu erreichen, müssen wir Angebote auch dorthin bringen, wo sie im Alltag unterwegs sind: mitten in die Stadtteile und auf die Straße.“
Die Delegation bestand aus Mitarbeitenden der Stadtverwaltungen Frankfurt (Oder) und Słubice, der Stiftung Collegium Polonicum sowie der pewobe gGmbH. Alle Beteiligten arbeiten in der AG Politische Bildung der Doppelstadt zusammen.
Der Studienaufenthalt bot Gelegenheit, bestehende Kontakte zu vertiefen, neue Partnerschaften zu knüpfen und Anregungen für die weitere Zusammenarbeit in Frankfurt (Oder) und Słubice zu sammeln.
Bildunterschrift: Gemeinsam mit der EU-Bürgerbeauftragten Teresa Anjinho (Mitte), v. l. n. r.: Sylwia Cor (Gemeinde Słubice), Sören Bollmann, Lea Nienhoff und Mateusz Weis-Banaszczyk (Stadt Frankfurt (Oder)).