Kinderschutzambulanz am Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) eröffnet
Am 14. Juli wurde am Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) eine neue Kinderschutzambulanz (KIA) eröffnet. Es ist neben Potsdam, Eberswalde und Lauchhammer die vierte im Land Brandenburg.
Kinderschutzambulanzen sind interdisziplinär arbeitende Einrichtungen, die Kinder betreuen, bei den der Verdacht besteht, dass sie vernachlässigt oder Opfer von körperlicher oder psychischer Gewalt oder sexuellem Missbrauch wurden. In der KIA übernehmen Fachkräfte die medizinische Versorgung der Kinder, dokumentieren mögliche Verletzungen und liefern somit Beweismittel für die Arbeit von Jugendämtern, Polizei und Gerichten. Die Mitarbeitenden der KIA beraten zudem Jugendämter, Schulen, Kitas, Polizei und andere Einrichtungen.
Um Verdachtsfällen schnell nachzugehen, kooperiert die Kinderschutzambulanz am Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) mit den Jugendämtern der Stadt Frankfurt (Oder) und des Landkreises Oder-Spree.
Wie dringend eine solche Kinderschutzambulanz in der Region gebraucht wird, zeigen die Zahlen. In Frankfurt (Oder) haben sich die medizinischen Begutachtungen bei Fällen möglicher Kindeswohlgefährdungen in den letzten Jahren fast verdoppelt. Zwischen 2022 und 2025 waren sie von 220 auf 399 gestiegen. Dabei können die Kinderambulanzen betroffene Familien auch entlasten. Das zeigen die Zahlen vom vergangenen Jahr. Denn nur in 128 von den 399 Fällen wurde eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung bestätigt.
Auch im Landkreis Oder-Spree stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von möglicher Kindeswohlgefährdungen kontinuierlich – von 1.022 im Jahr 2021 auf 1.321 im vergangenen Jahr.
Gesundheitsminister René Wilke sagte bei der Eröffnung der Frankfurter Kinderschutzambulanz am Dienstag: „Brandenburg ist das letzte Bundesland, das Kinderschutzambulanzen einrichtet, und schon aus diesem Grund freut es mich sehr, dass wir binnen weniger Wochen bereits vier dieser Einrichtungen an den Start gebracht haben. Für wirksamen Kinderschutz zu sorgen, ist für mich eine politische Selbstverständlichkeit. Wo immer der Verdacht besteht, dass das Wohl von Kindern gefährdet ist, dass ihnen Gewalt angetan wird oder dass sie vernachlässigt werden, ist schnellstmögliche Klärung gefragt. Dafür braucht es medizinische Expertise ebenso wie jene von den Jugendämtern, die in den Kinderschutzambulanzen fachlich eng zusammenarbeiten. Damit diese landesweit zukunftsfest aufgestellt werden können, bedarf es noch einer verlässlichen Finanzierung. Daran arbeiten wir.“
Christian Petersen, Geschäftsführer Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) ergänzte: „Das Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) ist als Maximalversorger für sein Versorgungsgebiet auch im Bereich der Kinderversorgung mit seiner hohen Fachexpertise in der Kinder- und Jugendmedizin wie auch Kinder- und Jugendpsychiatrie fest verankert. Es ist unser Selbstverständnis, dass wir als erste Anlaufstelle zum Schutze des Kindeswohls in Kooperation mit den weiteren Beteiligten bestmöglich dienen.“
Dr. Axel Strasser, Oberbürgermeister Frankfurt (Oder) erklärte zu der neuen KIA: „Kinderschutz ist eine Aufgabe, die uns alle angeht. Fälle von Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellem Missbrauch können überall vorkommen, auch in unserer Region. Umso wichtiger ist es, Kindern und Jugendlichen im Verdachtsfall schnell, verlässlich und fachkundig Schutz und Hilfe anzubieten. Mit der Kinderschutzambulanz entsteht dafür ein wichtiger Schutzraum und zugleich eine fachliche Grundlage, damit mögliche Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden können. Mein Dank gilt dem Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) und dem Gesundheitsministerium des Landes Brandenburg für die wichtige Stärkung des Kinderschutzes in Frankfurt (Oder) und Oder-Spree. Dies zeigt einmal mehr, welche zentrale Rolle das Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) für unsere Stadt und die Region einnimmt. Gleichzeitig gelten meine Hochachtung und mein Respekt dem interdisziplinären Team, das mit hoher Fachkompetenz und großem Einfühlungsvermögen an dieser Kinderschutzambulanz arbeiten wird.“
Die Einrichtung von Kinderschutzambulanzen im Land Brandenburg wurde durch eine gemeinsame Anschubfinanzierung des Gesundheits- und des Jugendministeriums aus Lottomitteln in Höhe von insgesamt 170.000 Euro gefördert.